Kunst-gerecht rahmen?

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Künstlerinnen und Künstler haben oft geringen Einfluss, wenn es um die Rahmung und Konservierung ihrer Werke geht. Nicht selten bestimmen Museen, Kuratorinnen, Sammler oder Besitzerinnen, wie Kunst präsentiert wird und nicht in allen Fällen wird der Dialog mit dem/der Kunstschaffenden gesucht.

Noch schwieriger wird es, wenn der Künstler nicht mehr lebt und nicht mehr geltend machen kann, wie mit seinem Nachlass verfahren wird. Der Umgang damit unterliegt dann dem „Auge“ und dem Geschmacksempfinden der nachfolgenden Generationen.

Viele Maler, so auch der Zürcher Skripturalist, Hieroglyphen- und Zeichenkünstler Werner Hartmann (1945 – 1993), haben während ihrer Schaffenszeit Werke selber gerahmt, von der einfachen Bilderleiste, die um eine Leinwand genagelt wird, bis hin zu aufwändigeren Konstruktionen wie verglasten Kastenrahmen.

Der Nachlass Werner Hartmanns zeigt, dass der Künstler, ganz im Sinne seiner vielseitigen Kompositionen auch bei der Rahmengestaltung wenig Scheu zeigte, zu verwenden, was Umwelt und Umgebung an Materialien hergaben. Und doch geschah dies immer im harmonischen Zusammenspiel mit seinem Oeuvre. Antikes, alte Briefe und Hefte, Handschriften, Bücher, Gefundenes, Schwemmholz, Dachboden-Fundstücke und ähnliche Materialien mit bereits vorhandener Patina dienten ihm dabei oft als Ausgangslage – Kondensationskeime für weitere Fantasien. So haben Hartmanns selbst gezimmerte Rahmen bei aller Schlichtheit oft auch etwas Rustikales und verfügen über einen Nimbus des Sympathisch-Selbstgemachten.

Viele von Hartmanns Kunstwerken blieben ungerahmt und man muss sie nun, möchte man sie in der Öffentlichkeit zeigen, entsprechend präparieren. Bei Werken auf Papier empfehlen sich standardisierte Einrahmungsmethoden, etwa mit einem Acryl- oder Museumsglas, die ein Werk vor UV-Strahlung und chemischen und mechanischen Einflüssen schützen. Objekte und Skulpturen wiederum können leicht in Vitrinen, auf Sockeln oder ähnlichen Auslagen präsentiert werden.

Hartmanns Arbeiten, die mit Tusche auf Schleifpapier entstanden, sind gewiss einzigartig. Es macht wenig Sinn, diese Zeichnungen hinter Glas zu sperren, denn es ginge der haptische Bezug verloren, wenn die raue Oberfläche des Sandpapiers durch ein Glas „versiegelt“ würde. Darum wurde hierbei auf eine Verglasung verzichtet, um der ungewöhnlichen Malunterlage ihre industriell-rohe Direktheit zu bewahren. Die Rahmen dazu stammen aus einer nicht verwendeten Produktion unserer Werkstatt. Linde, ganz wenig gewachst, altert farblich sehr schön. Als Bildträger dient ein naturweisser und optisch neutraler Museumskarton. Das Rahmenformat ist also Zufall, passt aber durchaus zu Hartmanns Recycling-Ansprüchen, ohne dabei jedoch zu sehr nach Originalität zu suchen. Es ist letztlich keine Imitation eines Künstler-Rahmens, aber hoffentlich eine Würdigung im Geist des Zeichners.

Ein weiteres Werk auf Sandpapier wurde in einen sogenannten Biedermeierrahmen (19. Jahrhundert) montiert, der somit eine leicht ironisierende Position zum technischen Aspekt des Schleifpapiers einnimmt. Hartmanns nicht zu entziffernde Zeichen sind hier gewissermassen die Vermittler zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Montage erfolgte auf die originale Tannenholz-Rückwand des Rahmens mit ihrer charakteristischen Hobel-Struktur.

Hartmanns Holzschnitte auf sehr dünnem Japan-Papier stellen eine Herausforderung anderer Art dar. Montiert man sie mit Abstand zum Glas in einen Kastenrahmen, ist man gezwungen, die Grafiken rückseitig mit Papier-Fälzeln zu befestigen oder ein Passepartout zu verwenden. Ein Passepartout kam für die Auftraggeberin nicht infrage. Da das Papier allerdings so durchscheinend ist, dass jede Form der Montage auf der Rückseite auch von vorne sichtbar wäre, wurden die Werke nur unter ein Acrylglas geklemmt. So liegen die Grafiken plan, allerdings ohne Abstand, wie es eine konservatorisch korrekte Einrahmung fordert. Dennoch schien in diesem Fall ein solches Vorgehen eine sinnvolle Lösung. Die Rahmen sind von der Rückseite her jederzeit zu öffnen und ein eher unwahrscheinliches „Anhaften“ des Kunstwerkes am Glas kann somit durch gelegentliche Überprüfung verhindert werden.

Die Rahmen sind ebenfalls aus Lindenholz und wurden matt anthrazitfarben lasiert, so dass man vielleicht an Schiefer (ein ebenso von Hartmann verwendetes Material für seine Ritz-Werke) oder rohes Eisen denken mag.

Als Kontrast zum sehr weissen, aber transparenten Japan-Papier wurde ein hellgrauer Trägerkarton gewählt, so dass die Faserstruktur des Druckpapiers und der geschöpfte Papierrand besser zur Geltung kommen und sich leicht farblich vom Untergrund abheben.

Ein Vierergrüppchen von Aquarellen aus dem Jahr 1973 (alle vier Werke haben „Schnittmarken“ mit Bleistift an den Rändern und scheinen wohl im selben „Rutsch“ entstanden zu sein) wurde zusammen in einen schlanken hochformatigen Occasions-Rahmen aus Tanne montiert. Auch hier haben wir auf Material zurückgegriffen, das sonst wohl kaum mehr Verwendung gefunden hätte. Aber gerade die schöne rustikale Farbe des nachgedunkelten Holzes und die paar „Macken“ darin, gehen eine gute Verbindung mit den Aquarellen ein.

Eine Auswahl von Werner Hartmanns Werk wird ab dem 8. Oktober bis zum 23. Oktober in der Villa Meier-Severini (Zollikon) zu sehen sein.

Villa Meier Severini, Zollikerstr. 86, beim Dufourplatz, 8702 Zollikon
Vernissage: Freitag 8. Oktober 2021 / 18 – 21h
Öffnungszeiten:
Dienstag – Freitag 16 – 20h
Samstag & Sonntag 14 – 18h
Finissage: Samstag 23. Oktober 2021 / 16 – 19h